Nachruf auf Alasdair MacIntyre

Der schottisch-amerikanische Philosoph Alasdair MacIntyre ist am 21. Mai 2025 im Alter von 96 Jahren gestorben. Er gilt nicht nur als einer der wichtigsten Wegbereiter der Wiederentdeckung der aristotelischen Ethik im 20. Jahrhundert, sondern wirkte mit seinen Überlegungen zur Bedeutung von Traditionen und Gemeinschaft für den Moraldiskurs auch weit über den Bereich der Philosophie hinaus. MacIntyre war ein intellektuell redlicher Denker, der sich in der stetigen Auseinandersetzung mit den moralischen und politischen Fragen seiner Zeit zunächst dem Marxismus, später aber immer intensiver Aristoteles und Thomas von Aquin zugewendet hat.

Für Die Tagespost habe ich einen Nachruf auf Alasdair MacIntyre geschrieben, der online nachzulesen ist: Ständiger Sucher des tugendhaften Lebens.

Bildnachweis: Sean O’Connor, Alasdair MacIntyre via Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY 2.0. Bearbeitet durch den Autor (Schwarz-Weiß, monochromer Hintergrund).

Die Grenzen unseres Wissens vom Guten

Der Hinweis darauf, dass unser Wissen vom Guten beschränkt ist, ist kein Vorrecht des ethischen Skeptikers, der grundsätzlich die Möglichkeit objektiver Erkenntnis in ethischen Fragen bestreitet. Auch wenn wir an der Objektivität ethischer Urteile festhalten wollen, kommen wir nicht umhin anzuerkennen, dass unserem Erkennen im Bereich des Handelns Grenzen gesetzt sind – Grenzen, die sich so in anderen Bereichen der Wirklichkeit nicht finden. Eine Auseinandersetzung mit ihnen ist durchaus fruchtbar und für die Ethik gewinnbringend. […]

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